Wir brauchen endlich mehr Bildung und bessere Schulen
Zum Beginn des neuen Schuljahres wünsche ich den bayerischen Schülerinnen und Schülern einen guten Start und viel Erfolg. Vor allem wünsche ich ihnen, dass sich bald etwas an den eklatanten Missständen an Bayerns Schulen ändert. Nur dann werden sie die bestmöglichen Startchancen im Leben haben.
An unseren Schulen herrschen Stillstand, Reformstau und Unfähigkeit der Bürokratie. Die Probleme sind auch im neuen Schuljahr wieder die alten. Verbesserungen sind nicht zu erkennen. Auch im neuen Schuljahr haben wir viel zu große Klassen, in denen ein individueller Unterricht nicht möglich ist. Bayern hat nach wie vor zu wenig Lehrer, um einen vernünftigen Unterricht zu gewährleisten. Das, obwohl gleichzeitig fertige Lehrerinnen und Lehrer auch mit ausgezeichneten Noten auf der Straße stehen.
Auch im kommenden Schuljahr werden die Kinder der vierten Grundschulklasse unter dem enormen Übertrittsdruck leiden. Die Schaffung vieler neuer Kombiklassen an den Grundschulen, nur um Lehrer einzusparen, ist der Beleg dafür, dass die Staatsregierung auf dem Rücken der Kleinsten spart. Dasselbe gilt für die viel zu geringe Zahl von gebundenen Ganztagsangeboten an den Schulen. Diese Investitionen in die Zukunft unserer Kinder und damit auch unseres Landes werden sträflich vernachlässigt.
Wie Investitionen in Schulen aussehen sollten, macht die Stadt München vor. Hier wird zum Beispiel nachfrageorientiert in Ganztagsschulen investiert. Davon ist der Freistaat noch weit entfernt.
Besonders auf dem Land darf das Schulangebot nicht weiter ausgedünnt und der Schultourismus nicht noch verstärkt werden. Die Schule vor Ort muss Standard werden, auch wenn Mindeststärken, wie sie in der Stadt sinnvoll sind, auf dem Land nicht eingehalten werden können.
Die CSU hat in den letzten Jahrzehnten alle Probleme geleugnet und sich hinter den relativ guten Testergebnissen der kleinen handverlesenen Elite verschanzt. Sie hat die breite Masse bei der Bildung zurückgelassen, wie an der Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss genau so abzulesen ist wie an der viel zu geringen Zahl der Hochschulberechtigten. Dies ist wiederholt von der OECD bestätigt worden. Mittlerweile aber erkennt das Kultusministerium unter dem Druck der Öffentlichkeit zwar das Versagen der bayerischen Schulpolitik, Lösungen beschränkten sich aber leider nur auf mehr oder weniger kosmetische Korrekturen. Eine längere gemeinsame Schulzeit, die auch der Koalitionspartner FDP im Wahlkampf lauthals gefordert hat, ist nach wie vor nicht in Sicht und beim Ganztagsunterricht ist Bayern weiterhin Schlusslicht in Deutschland.
Für eine neue Familienpolitik in Bayern
Nicht allein der Finanztransfer ist für die gute Entwicklung von Familien entscheidend, ein gutes Angebot in der Infrastruktur für die Familien ist meist wichtiger.
Also:
- Kinderbetreuung von Anfang an (Kinderkrippen, Tagespflege)qualitativ hochwertige Kindergärten, ganztags
- Ganztagsschulen in allen Schularten
- Rechtsanspruch
- Lokale Bündnisse für Familien
Das Kinderbetreuungsangebot ist gerade für Kinder von 0 bis 3 Jahren in Bayern völlig unzureichend. Für ca. 320.000 Kinder stehen 12.649 Kinderkrippenplätze zur Verfügung. Selbst in den Kindergarten gehen nicht alle Kinder. Die Besuchsquote für Kindergartenkinder in Niederbayern beträgt zum Beispiel nur 87 Prozent. Was nützt es den Eltern jetzt, wenn vielleicht bis 2013 Plätze ausgebaut werden, der Aufbau gelingt erst, seit der Bund Mittel zur Verfügung gestellt hat, obwohl es nicht seine Aufgabe wäre!
Familienpolitik in Bayern ist gekennzeichnet durch Ungerechtigkeit:
Das Angebot an Kinderbetreuungsplätzen ist in Bayern regional sehr unterschiedlich. Bei den Kindergartengebühren besteht eine gigantische Gerechtigkeitslücke: Es gibt kostenlose, aber auch Kosten von mehreren Hundert Euro. Bildung ist bereits in der frühen Kindheit vom Geldbeutel der Eltern abhängig. Bayern gibt zu wenig Geld in der Zeit vor der Schule aus und ist im Ländervergleich Schlusslicht: So beträgt die Pro-Kopf-Förderung in Kindertageseinrichtungen in Bayern 2.925 Euro, in Baden-Württemberg 3.438 Euro und in Berlin: 7.082 Euro.
SPD-Antwort: Bildung von Anfang an
Der Bedeutung von frühkindlicher Bildung muss man mit dem Ausbau von Betreuungseinrichtungen gerecht werden – ein Versorgungsgrad für die Kinder von 0 bis 3 Jahren von 35 Prozent ist zu verwirklichen und zwar schneller als derzeit geplant.
Die Entscheidung für Kinder hängt sehr stark vom Betreuungsangebot ab. Nur so kann Familie und Beruf vereinbart werden. Wichtig ist in diesem Zusammenhang die Qualität in den Einrichtungen: also mehr Personal, kleinere Gruppen, bessere finanzielle Ausstattung.
- Der Rechtsanspruch für Kinder ab dem ersten Geburtstag auf einen Betreuungsplatz, vor allem auch auf einen Ganztagesplatz muss umgesetzt werden.
- Bildung muss kostenfrei sein, als Einstieg soll das letzte Kindergartenjahr verpflichtend und kostenfrei sein.
- Alle Kinder machen einen Sprachtest, um sie individuell besser fördern zu können.
- Der Übergang vom Kindergarten in die Grundschule wird gleitend mit einer Eingangsstufe gestaltet, die zwei oder drei Jahre dauern kann.
- Die Ausbildung der Erzieherinnen wird neu geordnet und langfristig auf Fachhochschulniveau angehoben.
- Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Männer und Frauen ist auch eine Forderung an die Wirtschaft. Wer gut ausgebildete junge Menschen beschäftigen will, muss Angebote für Eltern machen. Also: flexible Arbeitszeitmodelle und Kinderbetreuung betriebsnah
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